Unser Psychotherapie-Verständnis

Psychotherapie ist für uns ein vielseitiges und vielschichtiges Feld. Neben dem kurativen Bereich ist Psychotherapie auch eine soziale Wissenschaft, eine kritische Wissenschaft, in der wir den Bedingungen seelischer und körperlicher Gesundheit und Krankheit auf den Grund gehen. Sie ist immer auch eine Grenzwissenschaft, in der Fragen nach Lebenssinn und Lebensziel gestellt werden. Sie schöpft aus den schönen Künsten, denn die künstlerischen Medien der Poesie, des Theaters, der Musik, des Tanzes, der bildenden Künste öffnen für unsere therapeutische Arbeit eine Dimension, die den verbalen Methoden weitgehend verschlossen bleibt. Insofern ist Psychotherapie ein höchst eigenständiges Gebiet, das aber gleichzeitig Aspekte aus verschiedenen Bereichen integriert – aus der Medizin, der Psychologie, der alternativen Heilkunst, der Philosophie und Religion, der Naturwissenschaft, der Sozialwissenschaft, der Erziehungswissenschaft und den schönen Künsten. Jeder Versuch, psychotherapeutische Forschung und psychotherapeutische Praxis auf einen oder wenige dieser obengenannten Bereiche einzuengen und zu reduzieren, bedeutet einen substantiellen Verlust und schadet der Weiterentwicklung der Psychotherapie.

Eine wesentliche Aufgabe der Psychotherapie ist es, sich als Disziplin den gesellschaftlichen Herausforderungen von heute zu stellen. Sie soll, über die Grenzen des individuellen Leidens hinaus, auf die psychischen Hintergründe gesellschaftlichen Leidens sowie die gesellschaftlichen Hintergründe psychischen Leidens aufmerksam machen. Eine ihrer heute besonders wichtigen Aufgaben ist es, Erklärungs- und Lösungsmodelle für unser widersinniges Verhalten angesichts der ökologischen Katastrophe zu finden.